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Fußball in Baden-Württemberg
Donnerstag, 11. Juni 2015

"Wir nehmen das nicht einfach hin"

Weidner über den Abstieg der SG Richen/Stebbach und die Perspektiven in der Kreisklasse B


 

 

"Wir nehmen das nicht einfach hin"

Lebenszeichen aus der Unterwelt: Die SG Richen/Stebbach lässt sich vom Abstieg in die Kreisklasse B nicht entmutigen - und packt mit Tatendrang die neuen Aufgaben an. Mehrere Neuzugänge werden das Team verstärken.Foto: Klaus Krüger 

Nein, das ging gar nicht gut los: Gleich im ersten Jahr nach ihrem Zusammenschluss ist die SG Richen/Stebbach in die Fußball-Kreisklasse B abgestiegen. "Es hat ein bisschen die Erfahrung gefehlt", sagt Matthias Weidner, der Abteilungsleiter des TB Richen, in einem Gespräch mit unserem Redakteur Eric Schmidt.

Herr Weidner, wie ist die Stimmung bei der SG?

Matthias Weidner: Nach dem letzten Spiel in Neidenstein gab es erst einmal lange Gesichter. Vor allem unseren Trainer Christian Holz hat die Niederlage extrem angegriffen, klar. Aber jetzt ist die Stimmung ganz gut, und wir können auch wieder lachen. Wir haben es uns schlimmer vorgestellt.

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Weidner: Es stand zu befürchten, dass unsere jüngeren, talentierten Spieler nach dem Abstieg sagen: "Nee, B-Klasse, das tu" ich mir nicht an." Aber als Abgang haben wir nur den Torwart, Zlatko Durisic, und das war vorher schon klar, dass er zurück zum SV Gemmingen geht. Zlatko hat uns rechtzeitig informiert. Der Rest der Mannschaft hat signalisiert, dass sie weitermacht.

Auch der Trainer, Christian Holz?

Weidner: Auch er macht weiter, ja. Das hat er schon einige Spieltage vor Saisonende erklärt - und wir sind heilfroh, dass er an Bord bleibt. Es passt super, er ist die optimale Lösung für uns. Er ist jemand, der nie laut und nie persönlich wird. Er strahlt sehr viel Ruhe aus, was auch für die jungen Spieler wichtig ist. Jetzt sind wir voll in der Planung für die nächste Runde.

Warum hat es nicht zum Klassenerhalt gereicht?

Weidner: Das letzte Spiel in Neidenstein war signifikant. Es hat den gesamten Verlauf der Runde widergespiegelt. Wir spielen eigentlich gut, liegen 2:1 vorne und haben das Spiel im Griff - gegen einen Gegner, gegen den uns ein Unentschieden reicht. Und dann bringen wir uns trotz Überzahl selbst aus dem Konzept. Hinten in der Abwehr haben wir teilweise desolat gespielt, da macht sich dann die mangelnde Erfahrung bemerkbar. Wir haben nur zwei, drei Mann auf dem Platz, die Mitte, Ende 20 sind. Der Rest unserer Jungs ist zwischen 18 und 22, denen fehlt einfach noch ein bisschen die Abgebrühtheit, die man im Abstiegskampf braucht.

80 Gegentore in 30 Spielen sind eine ganze Menge...

Weidner: Das war unser Hauptproblem. Wir haben in Auswärtsspielen zwei, drei Tore geschossen, was aber oft nicht mal zu einem Punkt gereicht hat, weil wir viel zu viele einfache Gegentore bekommen haben. Gerade bei Standardsituationen hat die Abstimmung gefehlt. Wir waren so ein bisschen die Hurra-Truppe der A-Klasse - es war immer etwas geboten, wenn wir dabei waren. 4:4, 3:3. Fürs Volk war das natürlich toll, für uns kam leider nicht viel Zählbares heraus. Viele Punkte haben wir in der letzten Viertelstunde liegen lassen. Über das komplette Jahr gesehen hat uns dies das Genick gebrochen. Wobei man auch sagen muss: Wenn wir uns für die Relegation qualifiziert hätten, hätten wir uns sehr schwer getan, die Klasse zu halten. Der SV Neidenstein ist gegen Babstadt baden gegangen. Der SV Babstadt hat die Erfahrung, die uns fehlt.

Gibt es Neuzugänge?

Weidner: Wir werden Neuzugänge haben, mit einem neuen Torwart sind wir in den letzten Gesprächen. Die Torwart-Position war unsere größte Baustelle. Außerdem kommt ein neuer Co-Trainer.

Und das ist wer?

Weidner: Thomas Bompis. Er ist ein alter Richener. Eine lokale Verbundenheit spielt da eine Rolle, er ist mit einigen Spielern befreundet. Er hat erklärt, er hilft uns in dieser Situation. Er ist ein Spieler, der uns enorm weiterbringt, der auch für die jungen Spieler Signalwirkung hat und von dem man sich einiges abgucken kann. Er hat Landesliga-Erfahrung und kann vorneweg gehen.

Was glauben Sie: Können Sie in der B-Liga vorne mitspielen?

Weidner: Wir gehen guter Dinge in die neue Runde. Mit der Qualität, die wir in der Offensive haben, muss über kurz oder lang das Ziel sein, oben mitzuspielen in der B-Klasse. Das ist auch möglich, wenn wir es schaffen, mehr Struktur in die Defensive reinzubekommen. Die Neuzugänge sind wichtige Signale für die Mannschaft. Man sieht: Wir nehmen das nicht einfach hin, sondern holen, wo Bedarf ist, neue Leute dazu und versuchen, nächstes Jahr anzugreifen. Für die Mannschaft ist es einfach wichtig, dass man wieder mal ein paar Siege einfährt - und nicht vom ersten Spieltag an um den Klassenerhalt kämpfen muss.

Was passiert mit der zweiten Mannschaft, die bisher in der Kreisklasse B2 gekickt hat?

Weidner: Das werden wir in dieser Woche entscheiden. Wir haben ins Auge gefasst, mit der zweiten Mannschaft nicht mehr in Konkurrenz zu spielen, sondern als Reserve. Wenn man fast jede Woche was auf die Mütze bekommt, ist das nicht so schön. Dadurch, dass die zweite und erste Mannschaft ihre Heimspiele nicht am selben Ort ausgetragen haben, ist auch nie ein richtiges Wir-Gefühl entstanden. Die beiden Mannschaften sollen künftig hintereinander spielen - an einem Ort.

In der Hinrunde in Stebbach und in der Rückrunde in Richen?

Weidner: Auch da wollen wir etwas ändern. Die Heimspiele sollen künftig abwechselnd in Richen und Stebbach stattfinden, so dass es bei beiden Vereinen jeweils ein Heimspiel pro Monat gibt.