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Fußball in Baden-Württemberg
Freitag, 19. Juni 2015

Kuttis Geheim-Aktion, Fairness-Meister und ein spendabler Trainer

Fußball Türkspor Neckarsulm ist Meister der Kreisliga A1 und die SG Stetten/Kleingartach bejubelte den Titelgewinn der Kreisliga A3


 

 

Kuttis Geheim-Aktion, Fairness-Meister und ein spendabler Trainer

Toren Juray und der SV Roigheim haben in der Kreisliga A2 alle Hürden genommen und sind Meister geworden.

Foto: Bertok

 

Türkspor Neckarsulm ist Meister der Kreisliga A1 und die SG Stetten/Kleingartach bejubelte den Titelgewinn der Kreisliga A3 - beide Teams gehörten in ihren Staffeln zu den Favoriten. Überraschend ist jedoch die Meisterschaft des A2-Vertreters SV Roigheim. Den Verein aus der nördlichsten Landkreisgemeinde hatte eigentlich niemand auf der Rechnung.

SV Roigheim "Uns war bewusst, dass wir über Potenzial verfügen, aber die Meisterschaft war kein Ziel. Wir wollten den vierten Platz der vergangenen Saison bestätigen", berichtet Abteilungsleiter Moritz Nick, der selbst im Saisonendspurt nicht wirklich an den Titel glaubte. "Wir hatten darauf gehofft, aber nicht damit gerechnet, dass Bad Wimpfen am letzten Spieltag gegen Türkyiemspor verliert, der SG hätte ja ein Punkt zum Titel gereicht." 4:0 endete das Abschlussspiel des SVR gegen Möckmühl. "Wir haben danach per Handy die Nachspielzeit in Bad Wimpfen live miterlebt", berichtet Nick. Als der 4:3-Sieg der Obereisesheimer feststand, gab es in Roigheim kein Halten mehr. Der Rest war Party. Meister-T-Shirt waren bei den Roigheimern offiziell kein Thema. Doch Vereinskassier "Kutti" Gottschalk hatte im Geheimen vorgesorgt - aber als cleverer Roigheimer im abgesicherten Modus. Auf den Shirts war lediglich der Vereinsname und der Schriftzug Aufsteiger zu lesen. Man hätte die Kleidungsstücke für die Relegation oder für eine spätere Saison aufheben können. Inzwischen sind richtige Meister-Shirts in Auftrag gegeben. "Der ganze Ort freut sich auf das Abenteuer Bezirksliga. Das letzte und einzige Mal, dass wir in die Bezirksliga aufgestiegen sind, war in der Saison 1978/1979, drei Jahre lang haben wir uns gehalten", erzählt Nick. "An dieser Stelle ein großer Dank an unsere Fans, die uns stets in großer Zahl zu den Auswärtsspielen begleitet haben. Wir hoffen, das dies so bleibt, trotz der nun deutlich weiteren Entfernungen." Spielerische Verstärkungen sind in der höheren Liga notwendig, doch betont Nick: "Es bleibt dabei, in Roigheim wird kein Geld bezahlt."

SG Stetten/Kleingartach "Wir haben unser Ziel umgesetzt", sagt SG-Trainer George Jakob. "Aber auch der SV Heilbronn hätte den Titel verdient gehabt. Das war ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum drittletzten Spieltag. Wir haben mit der Meisterschaft Vereinsgeschichte geschrieben und sind erstmals in die Bezirksliga aufgestiegen." Die SG hatte sich vor der Saison zielgerichtet verstärkt. Unter anderem durch Timo Horn, der als Torhüter beim Rhein-Neckar-Landesligisten VfB Eppingen viele Jahre zu den Leistungsträgern gehörte. Vom Verbandsligisten Neckarsulmer Sport-Union war Marcel Oechsner in seine Heimatregion zurückgekehrt. Das Freistoß-Ungeheuer ist mit 22 Treffern zweitbester Torschütze hinter Dennis Weber (29), glänzte aber auch als Spielmacher und Torvorbereiter. "Oechsner hat sich zudem als Co-Trainer gut eingebracht, er ist in dieser Position ein wichtiger Mann für mich. Letztendlich ist die Meisterschaft aber ein Erfolg der Mannschaft. Ich bin stolz auf diese Truppe, die auch Erster in der Fairness-Tabelle ist", sagt Jakob. Für die Bezirksliga wird sich die SG verstärken. "Zwei neue Spieler sollten reichen", will Jakob das Mannschaftsgefüge nicht groß durcheinander wirbeln. Zudem sind die finanziellen Mittel begrenzt. "Bei uns gibt es eine Siegprämie in die Mannschaftskasse, einzelne Spieler erhalten kein Geld", erzählt Jakob, der für die nächsten Saison Demut zeigt und mit dem Klassenerhalt zufrieden wäre. "Nicht absteigen, mehr darf man als Aufsteiger im ersten Jahr nicht erwarten."

Türkspor Neckarsulm Dass der A1-Meister der Saison 2014/2015 aus Neckarsulm kommen würde, damit hatten in dieser Staffel die meisten Funktionäre spekuliert. Am Ende setzte sich Türkspor am letzten Spieltag in einem echten "Endspiel" gegen die Sport-Union durch. "Von Beginn an war die Meisterschaft unser Ziel. Wir wussten aber, dass es schwer werden würde", sagt der Vereinsvorsitzende Cevat Merdan. "In den ersten Begegnungen fehlten viele Spieler wegen Urlaub, deshalb hatten wir einen schlechten Start. Anfang Dezember betrug der Rückstand auf die Sport-Union 16 Punkte." Die Hoffnung hatte Merdan dennoch nicht aufgegeben. Es folgte eine Serie mit 20 Siegen und einem Unentschieden. "Wir sind verdient Meister geworden, haben in Fatih Sahin mit 38 Treffern den erfolgreichsten Torjäger und sind Zweiter in der Fairness-Tabelle", zählt Merdan auf. "Es war uns wichtig, dass die Mannschaft fair und diszipliniert auftritt." Der Meistertrainer heißt Bayram Göcmez und war bei Türkspor Merdans Vorgänger als Vereinschef. Göcmez machte dazwischen als Trainer Station beim TSV Weinsberg, den er über die Relegation in die Bezirksliga geführt hatte. "Dass wir Bayram zurückgeholt haben war die richtige Entscheidung. Er arbeitet bei uns ehrenamtlich, das Geld, das ihm zustehen würde, fließt in die Mannschaft. Wo gibt es das heute noch", sagt Merdan. Der Verein, der 2009 aus der Landesliga und 2012 aus der Bezirksliga abgestiegen war, ist wieder in Aufbruchsstimmung. "Wir holen fünf Spieler als Verstärkung. Unser Ziel ist Platz fünf bis acht und in zwei bis drei Jahren wollen wir in die Landesliga aufsteigen", verkündet Merdan ehrgeizige Ziele. Alexander Bertok