Freitag, 17. August 2018 | powered by stimme.de Ein Angebot von
stimme.de
Fußball in Baden-Württemberg
Samstag, 13. Juni 2015

Auch Sulzfeld ist heiß auf die Bayern

Von Dominique Jahn Und Eric Schmidt

Dass der FC Nöttingen im DFB-Pokal das Traumlos gezogen hat, begeistert vor allem Mario Bilger


 

 

Auch Sulzfeld ist heiß auf die Bayern

Reibt sich die Hände: Michael Wittwer und der FC Nöttingen treffen in der ersten Runde des DFB-Pokals auf die Bayern. "Jetzt fliegen wir den Bayern in der Vorbereitung überall hinterher", sagt der FCN-Coach.Foto: dpa 

Dirk Steidl hatte keine Zeit, etwas zu sagen. Der Manager des FC Nöttingen war so sehr mit Umarmen und mit Jubeln beschäftigt, dass er das Mikrofon der ARD übersah. Erst nach mehrmaligem Nachfragen des Reporters fand Steidl Worte. "Unglaublich. Unglaublich", stammelte Steidl.

Der FC Bayern kommt. Im DFB-Pokal hat der FCN das große Los gezogen - und trifft in der ersten Runde des K.o.-Wettbewerbs auf den deutschen Rekordmeister. Seit Mittwochnacht steht in und um Nöttingen alles Kopf. Auch der Bürgermeister ist aus dem Häuschen. "Ich freue mich unbändig auf die Bayern und hoffe gleichzeitig, dass sie gegen den FCN verlieren", sagt Luca Wilhelm Prayon, der ein großer Anhänger des VfB Stuttgart ist.

Partystimmung Die frohe Kunde bereitete sich wie ein Lauffeuer aus - und das bis in internationale Gewässer. Cheftrainer Michael Wittwer jubelte irgendwo im Mittelmeer auf einem Kreuzfahrtschiff und wäre am liebsten vom sechsten Deck ins Wasser gesprungen. "Jetzt fliegen wir den Bayern in der Vorbereitung überall hinterher und beobachten sie", scherzte der Ex-Profi, der sich besonders auf Trainerkollege Pep Guardiola freut. Kapitän Timo Brenner verfolgte die Auslosung im Hotelzimmer in der Türkei und machte danach die Nacht zum Tage: "Ich war sprachlos. Ich bin erstmal an die Poolbar und hab" mir drei Bier bestellt."

Ebenfalls groß ist die Begeisterung in Sulzfeld, wo es etliche Nöttingen-Fans gibt. FCN-Mittelfeldspieler Mario Bilger ist Sulzfelder und hat bis 2009 für die Sportfreunde in der Kreisliga Sinsheim gekickt. Bei den bisherigen DFB-Pokal-Einsätzen gegen Hannover 96 und Schalke 04 sind die Sulzfelder ihrem "Super-Mario" hinterhergereist - bei sogenannten "Bilger-Fahrten", wie die Kraichgau Stimme es nannte.

Dass jetzt die großen Bayern kommen, ist für Bilger etwas ganz Besonderes. Der 26-Jährige ist Bayern-Fan durch und durch und leidet seit Mittwoch unter Schlafstörungen. "Ich spiele gegen meinen Lieblingsverein. Das ist unglaublich. Ich kann es immer noch nicht fassen. Mein Kopf spielt verrückt. Ich weiß nicht, wie ich das bis zum Spiel aushalten soll", erklärt Bilger und ergänzt: "Ich werde den Trikotkoffer der Bayern mitnehmen. Das Blöde ist nur, dass die nach dem Spiel keine Chance mehr aufs Triple haben." Mit Andreas Dups, der vom TSV Reichenbach nach Nöttingen wechselt, steht ein zweiter Sulzfelder im Kader des FCN.

Dirk Steidl freut sich vor allem für die Spieler. "Das ist der Höhepunkt in ihrer Fußballkarriere", sagt der Manager und sieht die Partie einerseits als Belohnung, andererseits als Trost. Mit 37 Punkten aus der Regionalliga abgestiegen zu sein, das war bitter. Wann genau das Match gegen die Bayern stattfindet, steht noch nicht fest. Der Deutsche Fußballbund (DFB) wird erst in rund zwei Wochen die genauen Termine festlegen. Angesetzt ist die erste Runde vom 7. bis 10. August. Die Bayern spielen davor (4. und 5. August) ihren Audi-Cup aus. Gut möglich also, dass die Pokal-Partie nicht gleich auf Freitag gelegt wird.

Favorit Wildpark Austragungsort ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Karlsruher Wildparkstadion, wie 2013 gegen Schalke 04. Die Organisation wäre klar, der Aufwand überschaubar. Es wäre die einfachste Lösung für den FCN. Karlsruhes Bürgermeister Martin Lenz ließ schon einmal ausrichten, dass sich die Stadt auf den FCN freue.

Karten gibt es noch keine - auch wenn das viele, viele Fans nicht wahrhaben wollen. Bereits am Morgen nach der Auslosung stand eine Frau im Büro von Dirk Steidl. Trixi Sowade aus Cottbus war den langen Weg nach Nöttingen gefahren, um Karten zu kaufen. Steidl musste sie vertrösten - ebenso wie viele Anrufer. "Hier ist die Hölle los", sagt er. Telefonische Kartenanfragen sind derzeit zwecklos. Der Vorverkauf startet zwischen dem 6. und 15. Juli.